Schals im Stadio Como.
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calcio e caffé IV

Von Milano über den Lago di Como bis hin zu den Bergamasci.

Einleitung

Mai 2026.

Bereits zweimal war ich dieses Jahr in Italien zum Fußballschauen. Dem nicht genug, verspürte ich den Drang, diese Saison noch einmal auszukosten, zumal ich ab September aufgrund einer längeren Reise mehrere Monate nicht in Europa sein werde.

Die Saison 2025/26 war bereits weit fortgeschritten, sodass ich nur noch zwischen den drei verbleibenden Spieltagen wählen konnte. Aufgrund terminlicher Verhinderungen an den anderen Wochenenden sollte es schließlich Runde 37 werden.

Da die Lega Serie A mit der Terminierung aber gefühlt bis zur letzten Sekunde wartete – erst fünf Tage vor dem Spieltag wurden Tage und Uhrzeiten fixiert -, war ich gezwungen zu gamblen. Um noch Flüge zu halbwegs vernünftigen Preisen zu erwischen, buchte ich bereits im Vorfeld Hin- und Rückflug nach bzw. von Mailand/Bergamo. Samstag, 16. Mai, hin und am Montag, 18. Mai, wieder zurück.

Meine Wahl für die Basis dieses kleinen Glücksspiels fiel auf Mailand. Durch die zentrale Lage im Norden Italiens hatte ich die besten Chancen, an diesem Wochenende gleich zwei Spiele zu sehen. Schließlich gab es auch an diesem Spieltag, bedingt durch die durchaus norditalienische Prägung der Serie A, wieder einige Heimspiele. So waren Juventus, Como, Genoa, Inter, Atalanta und notfalls auch Pisa oder Sassuolo im Lostopf. Udinese Calcio hatte ich von vornherein ausgeschlossen, da ich beim Auswärtsspiel von Juventus im März bereits im Bluenergy Stadium zu Gast war. Diese facettenreiche Reise rund um dieses Serie-A-Spiel findet ihr in diesem Beitrag.

Als schließlich der genaue Spielplan für die 37. Runde erschien, trat genau das ein, was ich befürchtet hatte: Alle Spiele waren auf denselben Tag, den 17. Mai, angesetzt.

Meine Priorität wäre gewesen, wieder einmal nach Turin zu fahren und ein Heimspiel von Juventus sowie die Hauptstadt des Piemont und seine Küche zu erleben. Der Gegner, die Fiorentina, war durchaus attraktiv und schließlich ging es auch darum, die Champions-League-Qualifikation zu fixieren. Leider überlegte ich im Ticketshop den einen oder anderen Moment zu lange und verpasste so die letzten verfügbaren Karten. Das Spiel war ausverkauft.

Sofort scannte ich den Spielplan nach der nächstbesten Alternative. Für mich stand seit Comos Aufstieg in die Serie A – so wie vermutlich für viele Groundhopper – ein Besuch am Comer See ganz oben auf der Bucketlist. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, dieses Spiel vielleicht doch noch mit einem weiteren zu kombinieren, stieß ich auf Atalanta. Como würde um 12:00 Uhr spielen, Atalanta um 18:00 Uhr. In der Theorie also genügend Zeit, um nach Spielende mit dem Zug über Mailand weiter nach Bergamo zu fahren. Ein kurzer Blick auf Google Maps bestätigte, dass dieser Plan sogar überraschend entspannt umsetzbar war.

Ich buchte direkt beide Tickets und damit stand der Plan fest: Am Sonntag würde ich gleich zwei Serie-A-Spiele besuchen – Como gegen Parma und anschließend Atalanta gegen Bologna. Zwei Spiele und vor allem zwei Stadien, die schon länger auf meiner Liste standen. Entgegen meiner romantischen Vorliebe für geschichtsträchtige Stadien hatte es mir das Stadion von Como vor allem wegen seiner einzigartigen Lage direkt am Seeufer angetan. Die New Balance Arena in Bergamo, die bis September 2025 nahezu vollständig umgebaut und modernisiert wurde, weckte aber dennoch mein Interesse.

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Route im Überblick

TagRouteHighlights
Samstag, 16.05.2026Wien → MailandFlug nach Italien, Frühstück in Mailand, Erkundung Mailands, traditionelles Restaurant, Übernachtung im Kapselhotel
Sonntag, 17.06.2026 (Vormittag)Mailand → ComoZugfahrt nach Como, Altstadt und Uferpromenade am Comer See, spontane Zusatzaktivität, Como – Parma im Stadio Giuseppe Sinigaglia
Sonntag, 17.06.2026 (Nachmittag & Abend)Como → Mailand → BergamoZugfahrt nach Bergamo, Atalanta – Bologna in der New Balance Arena, Pizza und Gelato, Übernachtung in Bergamo
Montag, 18.06.2026Bergamo → WienSpaziergang durch Bergamo, Heimreise nach Wien

Route

Am Samstag, dem 16. Mai 2026, hieß es für mich wieder einmal früh aufstehen, denn der Flug von meiner Heimatstadt Wien nach Mailand/Bergamo sollte wie so oft um 5:45 Uhr (nicht) auf mich warten.

Nach der Ankunft am lombardischen Airport folgte der anschließende Transport mit dem Airport-Shuttle „Terravision“ zum Bahnhof Milano Centrale. Die Busse fahren im Halbstundentakt direkt vor der Ankunftshalle des Flughafens ab. Tickets können online um 10 €, außerhalb der Stoßzeiten teilweise sogar um 5 €, erworben werden. Auch ein Ticketkauf direkt beim Einstieg ist möglich, birgt allerdings das Risiko eines bereits vollen Busses sowie einer kleinen Zusatzgebühr.

Rechtzeitig zum Frühstück in Mailand angekommen, entschied ich mich dazu, den fußballfreien Tag in der Stadt zu verbringen und ihr eine weitere Chance zu geben, hatte sie mich bislang doch noch nicht so wirklich überzeugen können. Um endlich einmal einen Gesamteindruck der lombardischen Hauptstadt zu gewinnen, zog es mich in bisher unerkundete Stadtteile sowie in ein traditionelles Restaurant. Dazu mehr im Mailänder Stadtbericht.

Überraschend gut im Kapselhotel genächtigt, machte ich mich am nächsten Morgen früh auf den Weg zum Bahnhof, um den Zug nach Como zu erwischen, stand doch bereits um 12:00 Uhr das Serie-A-Spiel gegen Parma an. Innerhalb von 1 Stunde und 15 Minuten erreicht man von Milano Centrale mit dem Regionalzug den Bahnhof Como S. Giovanni – und das für faire 5 €.

Um 8:45 Uhr in Como angekommen, hatte ich noch drei Stunden Zeit bis zum Spielbeginn, um mir die wunderschöne Stadt direkt am gleichnamigen See anzusehen. Beim Spaziergang durch die Altstadt und entlang des Seeufers entdeckte ich allerdings noch eine zusätzliche Aktivität, der ich mich schließlich spontan hingab. Dazu und auch zum Stadionerlebnis in Como aber mehr im eigenständigen Bericht zum Tag am Comer See. Ein kleiner Hinweis: Die bereits um 9:00 Uhr maßlos überlaufene Bootsfahrt auf dem Comer See, bei der man schon zu dieser Uhrzeit mit rund zwei Stunden Wartezeit rechnen musste, war es jedenfalls nicht.

Lago di Como.

Nach dem Abpfiff meines ersten Spiels und einer bevorstehenden zweistündigen Weiterreise musste ich mir keinen Stress machen. Ich konnte mir noch entspannt ein Kaltgetränk im Supermarkt holen und in der Nachmittagssonne Richtung Bahnhof Como S. Giovanni spazieren. Auch für einen wie immer köstlichen Espresso im Bahnhofscafé blieb noch Zeit, bis um 14:36 Uhr – mit etwas Verspätung – mein Zug Richtung Bergamo abfuhr. Mit Umstieg in Mailand kam ich planmäßig um 16:40 Uhr am Bahnhof Bergamo an. Eine unkomplizierte Anreise, die mir dank des zuverlässigen Zugsystems in Italien sogar ermöglichte, zwei Spiele in verschiedenen Städten an einem Tag zu erleben – und das für aus meiner Sicht faire 10 € für zwei Stunden Zugfahrt.

Vergleichsweise kommen mir dabei die Zugpreise auf der Strecke Wien–Linz in den Sinn, wo man für eine Stunde Fahrt gut und gerne 40 € bezahlt. Für mich Anlass genug, wieder einmal Lobeshymnen auf Trenitalia zu singen.

Die planmäßige Ankunft erlaubte es mir, mir noch etwas die Füße zu vertreten. So spazierte ich rund 35 Minuten zum Stadion und kam schließlich etwa 45 Minuten vor Spielbeginn im New Balance Stadium an. Meine Erfahrungen rund um das Spiel Atalanta gegen Bologna findet ihr wieder im eigenen Matchdaybericht.

Nach dem Abpfiff ging es für mich zu Fuß zu meiner etwas außerhalb gelegenen Unterkunft. Unterwegs konnte ich bei einer Pizzeria noch meinen Hunger stillen und auch ein Gelato durfte natürlich nicht fehlen, welches ich wider Erwarten kurz vor meiner Unterkunft noch ergattern konnte.

Am nächsten Tag durfte ich noch einen entspannten Vormittag in Bergamo verbringen, ein paar italienische Lebensmittel für zu Hause einkaufen und dann ging es auch schon wieder zurück nach Wien.

Meine Unterkünfte:

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Fazit

Wieder zu Hause angekommen, hatte ich meine bereits dritte Reise nach Italien in diesem Jahr abgeschlossen und zwei für mich neue Stadien erfolgreich abgehakt. Besonders das Stadion in Como ist aufgrund seiner Lage wirklich einzigartig und sollte man besuchen, solange es noch nicht um- oder neugebaut wird.

Bereits umgebaut wurde das zweite Stadion, die New Balance Arena, welche mir dennoch vor allem im Innenraum, also Spielfeld + Tribünen, sehr gut gefallen hat. Anhand der Tribünen merkte man, dass man bewusst an der historischen Bauweise festgehalten hat, wurde die Haupttribüne auch lediglich renoviert. In Kombination mit der modernen Gestaltung der Tribünen, Sitzplätze und sanitären Einrichtungen entstand so für mich etwas wie das Beste aus beiden Welten.

Das Innenleben des Stadions hat mir allerdings, wie so oft in neuen Arenen, nicht gefallen. Die Bereiche rund um die Treppenaufgänge und auch die Zwischenräume bei den Buffets wirkten einfach nur grau und im typischen Betonlook. Steril, lieblos und ohne irgendeine Geschichte oder Nostalgie. Man hätte sich hier genauso gut in zig anderen Stadien befinden können.

Vielleicht befindet sich das aber auch noch in der Umsetzung und diese Bereiche werden künftig noch mit Bildern oder historischen Stücken aus dem Vereinsarchiv ausgestattet, um dem Stadion auch dort etwas mehr Leben zu verleihen. Zumindest ich würde mir das wünschen.

Die Kombination von zwei Spielen in zwei verschiedenen Städten an einem Tag war für mich neu und deshalb auch umso aufregender. Bei der Planung hatte ich durchaus die Befürchtung, dass der Tag stressig werden könnte, was ich generell und vor allem im Urlaub gerne vermeide. Glücklicherweise war genau das Gegenteil der Fall. Natürlich war diese Reise dennoch anstrengend, aber ich erreichte jeden Zug entspannt und konnte somit auch das zweite Spiel ohne Probleme rechtzeitig besuchen.

Auch mein erster Tag in Mailand bleibt mir positiv in Erinnerung, konnte ich doch weitere Facetten der Stadt kennenlernen, die Mailand für mich deutlich attraktiver gemacht haben.

Insgesamt war diese Reise also wieder einmal ein voller Erfolg. Ein intensives Wochenende, welches von Erholung weit entfernt war. Ich durfte jedoch wieder neue Orte und neue Stadien entdecken, gut essen und meinen Erfahrungsschatz dahingehend erweitern.

Abschließend würde ich diese Reise genau so wieder machen und jedem Calcio-Liebhaber oder Groundhopper ans Herz legen. Sollte einen die Lega Serie A wieder einmal mit ihrer späten Terminierung im Stich lassen und man dazu gezwungen sein, zwei Stadien und zwei Städte an einem Tag zu besuchen, soll mein Wochenende als Beweis dienen, dass dies durchaus stressfrei – auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – möglich ist.

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