calcio e caffé IV – 24h a Milano
Zwischen Chinatown, den Kanälen von Navigli und Mailänder Küche.
Einleitung
Mai 2026.
Als Teil meiner Serie Calcio e Caffé IV wurde Mailand zum ersten Programmpunkt meines Wochenendes.
Ich durfte bereits einige Male nach Mailand reisen. Meistens diente mir die Stadt beziehungsweise ihr Flughafen als perfekter Ausgangspunkt, um in umliegende Städte weiterzureisen. Nur zweimal widmete ich meine Zeit auch wirklich der Stadt selbst. Ein wirklich positiver Eindruck ist mir von diesen beiden Besuchen allerdings nicht geblieben. Die schönen Gegenden rund um den Dom und die Galleria Vittorio Emanuele II waren mehr als überlaufen und für mich der Inbegriff eines klassischen Instagram-Spots. Die übrigen Viertel hatten ebenfalls keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, weshalb ich Mailand bislang nicht wirklich für einen Städtetrip empfehlen konnte.
Da mir die Lega Serie A an diesem Wochenende aufgrund der erst fünf Tage vor dem Spieltag veröffentlichten Terminierung der Spiele aber den gesamten Samstag schenkte, bot sich Mailand nun die Gelegenheit, mich eines Besseren zu belehren und sich von seiner schönsten Seite zu zeigen. Sämtliche Spiele der 37. Runde waren nämlich auf den Sonntag angesetzt worden.
Informationen dazu und zum gesamten Wochenende, welches mich anschließend noch nach Como und Bergamo führen sollte, findet ihr im Überblicksartikel Calcio e Caffé IV sowie in den eigenständigen Berichten zum Tag in Como und zum Stadionerlebnis in Bergamo.
Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten; bei einer Buchung oder einem Kauf über einen solchen Link erhalten wir gegebenenfalls eine Provision. Mehr dazu auf unserer [Transparenz-Seite].
Tag in Mailand
Bereits im Vorfeld ging ich auf die Suche nach für mich spannenden Vierteln in Mailand. Tatsächlich konnte ich einige ausfindig machen und so startete ich meine Tour frühmorgens vom Milano Centrale aus – natürlich zu Fuß quer durch die Stadt. Wie sollte man eine Stadt auch besser kennenlernen?
Direkt in Bahnhofsnähe startete ich klassisch in den italienischen Morgen mit Cornetto und Cappuccino.

Gut gestärkt ging es nun Richtung Chinatown. Mit Sicherheit spielte dabei auch die Vorfreude auf meine bevorstehende Asienreise oder meine Faszination für die chinesische Küche eine Rolle. Jedenfalls zog es mich in die Gegend rund um die Via Paolo Sarpi, wo sich eines der größten Chinatowns Europas befindet.


Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in China war, fehlt mir zwar der direkte Vergleich. Dennoch erinnerte mich die Gegend zumindest im Entferntesten an etwas rauere Städte Japans, wie beispielsweise Osaka – zumindest was die Shops und Restaurants anging. Auch gefiel mir dieses Chinatown deutlich besser als jenes in New York City, da ich hier das Gefühl hatte, dass es überhaupt nicht touristisch war.
Da es leider noch relativ früh am Morgen war, musste ich gezwungenermaßen davon absehen, in einem der verführerischen Dim-Sum-Läden einzukehren. So ließ ich die Gegend einfach noch etwas auf mich wirken und stimmte mich innerlich schon auf meine Chinareise im September ein. Auch konnte ich einige spannende Kreationen der Restaurants entdecken. So machte selbst der Dubai-Schokoladen-Hype keinen Halt vor den chinesischen Lokalen in Mailand. Ob meine Wahl allerdings auf Xiao Long Bao mit Dubai-Schokoladen-Füllung gefallen wäre, sei einmal dahingestellt.

Von Chinatown aus machte ich mich auf den Weg Richtung Innenstadt, durch den wunderschön angelegten Parco Sempione mit seinem Castello Sforzesco. Ziel war das Stadtviertel San Vittore, wo es einige spannende Vintage-Läden geben soll. So besuchte ich unter anderem den Humana People, der mit seiner eigenen Abteilung für Vintage-Fußballkleidung natürlich genau meinen Geschmack traf. Hier wäre ich durchaus fündig geworden. Insbesondere eine alte Kappa-Juventus-Jacke mit dem aus meiner Sicht schönsten Juventus Logo jemals hatte es mir angetan, preislich mit 150 € allerdings deutlich über meinem Budget. Rückblickend war dieser Preis aber sogar ziemlich fair, verglich man ihn jenen anderer Pieces in deutlich schlechterem Zustand.
Da ich ohnehin ohne jegliche Kaufabsicht angereist war – mein Kleiderschrank platzt schließlich bereits mit altem italienischem Retro-Stuff -, ging meine Tour ohne Ausbeute weiter.


Ich nahm in einem naheliegenden Café Platz und plante bei einem Espresso den weiteren Verlauf meines Tages. Schließlich war es bereits fast Mittag und eines meiner zentralen Ziele war es, die Mailänder Küche zu entdecken. Hierfür galt es nun, ein würdiges Restaurant zu finden.
Ich wurde fündig und fand mich Punkt 12:00 Uhr als erster Gast in der Trattoria Burla Giò ein. Erst beim Hinausgehen und dem Blick auf die ewig lange Schlange vor dem Restaurant wurde mir bewusst, wie viel Glück ich gehabt hatte und wie essenziell es war, direkt zur Öffnung dort zu sein.


Ich machte vom fairen Mittagsmenü Gebrauch – 25 € für Primo und Secondo – und entschied mich natürlich für zwei Mailänder Klassiker. Als Primo gab es ein Risotto alla Milanese, ein klassisches Safranrisotto, und als Secondo eine Cotoletta alla Milanese, die dem Schnitzel meiner Heimatstadt gehörig Konkurrenz machen sollte. Optisch auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich, würde ich die Mailänder Variante als die etwas roughere Version des Wiener Schnitzels bezeichnen. Hier wird Kalbfleisch mit Knochen paniert, sowohl Fleisch als auch Panierung sind deutlich dicker beziehungsweise gröber als beim Wiener Original. Mit grobem Meersalz getoppt, Rosmarinkartoffeln als Beilage und einer perfekt knusprigen Panierung war dieses Schnitzel mit Sicherheit eines der besten, das ich bislang gegessen habe.


Die Portionsgröße war verrückt. Für diesen Preis hätte ich niemals damit gerechnet, zwei derart große Teller serviert zu bekommen. Obwohl ich wirklich gerne und viel esse, kämpfte ich bereits kurz vor der Hälfte des zweiten Ganges. Natürlich konnte ich diesen Kampf letztlich für mich entscheiden – so voll war ich allerdings schon lange nicht mehr.
Rollend bewegte ich mich nach diesem gelungenen Restaurantbesuch (zufälligerweise) am Dom vorbei und anschließend die ewig lange Einkaufsstraße entlang. Ein Espresso tat meinem Magen nach dieser sündigen Völlerei mehr als gut und so zog es mich weiter ins Stadtviertel Navigli mit seinen Kanälen.


Dieses Flair hatte ich in Mailand bislang noch nicht erlebt und ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Bei wunderschönem, sonnigem Wetter ließ es sich hier bestens aushalten. Ich suchte mir eine etwas abgelegene Bank direkt am Wasser, hörte in Ruhe in die gerade erschienenen Drake-Alben hinein und verfiel für ein bis zwei Stunden in eine Art Tiefenentspannung.
Mittlerweile war es bereits später Nachmittag geworden und ich machte mich schön langsam auf den Weg Richtung Unterkunft.
Unterkunft
Aufgrund der zahlreichen Reisen nach Italien in diesem Jahr versuchte ich auch dieses Mal, die Kosten wieder so niedrig wie möglich zu halten. Bei der Recherche durch die teils doch sehr teuren Mailänder Hotels sprang mir das Ostelzzz Milano ins Auge, ein Kapselhostel. Diese Art von Unterkunft hatte ich bereits mehrfach auf Social Media gesehen und sie ist im Endeffekt eine moderne Variante des Hostel-Schlafsaals. Statt nur eines Bettes hat man eine eigene Kapsel und somit etwas mehr Privatsphäre.
Da ich dieses Konzept ohnehin schon länger ausprobieren wollte und auch der Preis für Mailänder Verhältnisse mit 34 € pro Nacht durchaus erschwinglich war, buchte ich mir eine Kapsel [über Booking.com zu buchen].
Affiliate-Link: Wenn du über diesen Link buchst, erhalte ich möglicherweise eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.
In einem Zimmer befanden sich sechs Kapseln und ein Badezimmer, welches man sich mit dem gesamten Stockwerk teilte. Das Bett war halbwegs bequem und grundsätzlich konnte man seine Kapsel mit einem Vorhang verschließen. Eigentlich zumindest – meiner war nämlich bereits kaputt. Mit etwas Geschick ließ sich der Eingang dennoch verschließen. Zum Glück musste man fast sagen, da das grelle Licht im Raum die ganze Nacht durchbrannte.

Das Badezimmer war leider eine meiner bislang schlechtesten Shared-Bathroom-Erfahrungen. Die Sauberkeit ließ zu wünschen übrig. Zudem gab es nur eine Toilette und eine Dusche für ein ganzes Stockwerk, in welchem nach Adam Riese wohl bis zu 18 Personen unterkommen konnten. Erschwerend kam hinzu, dass sich weder Dusche noch Toilette, die sich im selben Raum befanden, abschließen ließen. Auch bei der Tür des gemeinsamen Sanitärbereichs nach außen schien das Schloss kaputt zu sein. Oder ich hatte es schlichtweg nicht verstanden.
Die Auslastung war glücklicherweise überschaubar, weshalb mich dieser Umstand vor keine allzu großen Probleme stellte. Auch meine Zimmerkolleg:innen waren sehr respektvoll und leise, wodurch die Erfahrung für eine Nacht zwar etwas abenteuerlich, insgesamt aber dennoch in Ordnung war. Für eine Nacht würde ich tatsächlich vielleicht sogar wieder hier buchen, für zwei Nächte oder länger wäre es allerdings nichts für mich.
Für diesen Preis war sogar ein Frühstück inkludiert. Ein Croissant, ein Kaffee und etwas Obst waren meine Ausbeute, bevor ich auscheckte, um eine Erfahrung reicher war und zum nur zehn Minuten entfernten Milano Centrale spazierte, von wo aus meine Reise weiter nach Como ging.
Fazit
Mein Tag in Mailand sorgte dafür, dass ich die Stadt in einem vollkommen anderen Licht sehe. Bislang war mein eigentlich einziges positives Erlebnis in Mailand, ein Spiel im altehrwürdigen San Siro live erleben zu dürfen. Die Stadt rundherum erschien mir dagegen eher glanzlos.
Glücklicherweise gab ich ihr noch eine dritte Chance und durfte so sehr diverse, spannende Stadtviertel kennenlernen. Chinatown ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Beim nächsten Mal für mich allerdings zur Mittags- oder Abendzeit, um auch in den Genuss der dort gebotenen Kulinarik zu kommen.
Die Gegend rund um Navigli ist ebenfalls absolut zu empfehlen. Bei schönem Wetter kommt dort schon fast ein adriatischer Vibe auf und drängt einen förmlich dazu, einen Aperitivo oder zumindest einen Espresso in der Sonne zu genießen.
Ich nutzte die Zeit genau dafür, diesen Vibe aufzusaugen und fernab des innerstädtischen Trubels rund um den Dom das entspannte, lokale Mailand kennenzulernen – zumindest fühlte es sich für mich genau so an. Diese Seite der Stadt gefiel mir tatsächlich sehr, sehr gut.
Zufrieden war ich auch mit meinem kulinarischen Einblick in die Mailänder Küche. Anders als in Genua konnte ich diesmal einen Platz in einem traditionellen Restaurant ergattern und zwei der bekanntesten lokalen Spezialitäten probieren.
Beide waren ausgesprochen lecker, hatten für mich aber ein gemeinsames Problem, das ich auch vom heimischen Wiener Schnitzel kenne. Geschmacklich perfekt, aber auch der zwanzigste Bissen schmeckt im Grunde genauso wie der erste. Etwas mehr geschmackliche Abwechslung hätte ich mir durchaus gewünscht. Letztlich werden beide Gerichte aber genau so traditionell serviert. Man weiß also, worauf man sich einlässt – und genau deshalb bestellt man sie auch. Beim nächsten Mal werde ich das Risotto jedenfalls klassisch mit Ossobuco kombinieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass genau diese Kombination das Ganze perfekt abrundet. Die Gerichte für sich waren dennoch hervorragend und ich würde beide jederzeit wieder bestellen.
Ebenso wieder buchen würde ich meine Unterkunft – allerdings wieder nur für eine Nacht. Ich habe überraschend gut geschlafen, was möglicherweise auch daran lag, dass mein Flug bereits um 5:45 Uhr in der Früh ging und ich nach einem vollgepackten Tag in Mailand schlichtweg todmüde war. Die Kapsel hat ihren Teil dazu aber definitiv beigetragen. Über die mangelnde Hygiene und die Probleme rund um das Badezimmer konnte ich bei nur einer Nacht gut hinwegsehen und würde die Unterkunft daher, wenn auch nur bedingt, weiterempfehlen.
Mich zog es nun weiter nach Como, wo ein durchaus turbulenter Tag mit gleich zwei Serie-A-Spielen auf mich wartete. Zum (Halb-)Tag in Como habe ich einen eigenen Beitrag erstellt, ebenso wie zum Stadionerlebnis in Bergamo.
Ich verlasse Mailand diesmal jedenfalls mit einem rundum positiven Gefühl.
Mehr von dieser Reise
- calcio e caffé IV – Von Milano über den Lago di Como bis hin zu den Bergamasci
- calcio e caffé IV – 6h a Como
Mehr aus calcio e caffé
- calcio e caffè I – Ein Wochenende zwischen dem Luigi Ferraris und Ennio Tardini
- calcio e caffé I – 24h a Genova
- calcio e caffé I – Matchday im Luigi Ferraris
- calcio e caffé I – 24h a Parma
- calcio e caffé II – 24h a Roma
- calcio e caffé III – Tarvisio, Udine und Trieste – mit dem Klimaticket nach Italien und in die Serie A
- calcio e caffé V – 24h a Napoli
