calcio e caffé I – 24h a Parma
Vom Standtrundgang bis in den Settore Ospiti des Ennio Tardinis.
Einleitung
Februar 2026.
Nachdem meine Zeit in Genua gezählt war und ich die zweieinhalbstündige Zugfahrt durchaus entspannt und komfortabel überstanden hatte, fand ich mich nun am Bahnsteig des Bahnhofs in Parma wieder. Eine Art Déjà-vu. Bereits im Sommer 2022 war ich hier zu Gast und so erkannte ich den doch eher kleinen Bahnhof samt seiner Umgebung überraschenderweise nach fast vier Jahren auf Anhieb wieder.
Damals motivierten mich Gianluigi Buffon und Parma Calcio, damals noch in der Serie B, in die Emilia – Romagna zu reisen, diesmal war es für mich eine Art Auswärtsfahrt, da heute auch meine Bianconeri zu Gast in Parma sein sollten. Da ich im Jahr 2022 insgesamt 3 Tage in Parma verbringen durfte und daher die Stadt bereits bestens erkundet hatte, plante ich für mein Comeback lediglich einen Spaziergang durch die Stadt, um alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Parma ist Teil meiner dreitägigen Reise durch Norditalien und der Serie „Calcio e Caffè I“, der ich einen eigenen Übersichtsbeitrag gewidmet habe. Da dies bereits mein zweiter Besuch in Parma und auch im Stadio Ennio Tardini war, versteht sich dieser Beitrag als Kombination aus Stadt- und Matchdaybericht. Am Tag zuvor durfte ich mit Genua und dem Luigi Ferraris jeweils eine Stadt sowie ein Stadion gänzlich neu kennenlernen, weshalb ich hierzu einen eigenen Stadtbericht sowie einen Matchdaybericht, über das ligurische Derby zwischen Sampdoria und La Spezia erstellt habe.
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Stadtbericht Parma
Am frühen Nachmittag in Parma angekommen, hatte ich genügend Zeit, um bis zum Anpfiff der Serie A-Partie Parma gegen Juventus um 20:45 Uhr die Innenstadt ein weiteres Mal zu besuchen. Als Ausgangspunkt diente mir der nördlich gelegene Bahnhof Parmas. Von dort führte mich meine Route zunächst in den Westen und anschließend über den gleichnamigen Fluss bis in die Altstadt. Nach einem doch intensiven Vormittag in Genua und einer fast dreistündigen Zugfahrt stand zunächst etwas Ruhe und Erholung im Parco Ducale auf dem Programm. So schlenderte ich durch den wunderschön angelegten Park, bis hin zum wohl eigentlichen Highlight, dem Trianonbrunnen. Da mir dieser entgegen meiner Erwartungen nur eine Baustelle liefern konnte, machte ich meine Parkrunde direkt zu Ende, anstatt mich auf einer Parkbank vor dem Brunnen niederzulassen.
Kaum hatte ich den Fluss Parma überquert, bemerkte ich umgehend eine deutlich lebhaftere und internationalere Atmosphäre, als es noch im Park zuvor der Fall war. Grund dafür waren die historischen Gebäude, Palazzo della Pilotta und das Teatro Regio, die gemeinsam mit dem dazwischenliegenden Park ein wunderschönes Bild ergaben. Für mich Grund genug, um in der Sonne Platz zu nehmen und meine letzten Souvenirs aus Genua, zwei Stück Focaccia, zu verspeisen. Die beiden Gebäude dürften auch von Innen durchaus imposant und sehenswert sein, wenn man den langen Warteschlangen Glauben schenken durfte.


Auch für mich sicherlich nicht uninteressant. Aufgrund der doch knappen Zeit, musste ich mich jedoch auf das Wesentliche fokussieren. So zog es mich weiter, an den Menschenmassen vorbei, durch die Gassen des Centro Storico, vorbei an alten Gebäuden und unzähligen Feinkostläden, die die wohl berühmtesten Kinder der Stadt, Parmigiano Reggiano und Prosciutto di Parma, zum Verkauf anboten.



Sollte man den Wunsch verspüren, in ein traditionelles Restaurant einzukehren, ist es in Italien in den seltensten Fällen eine gute Idee, am Nachmittag in einer Stadt anzukommen. Zu dieser Zeit haben die meisten (guten) Restaurants geschlossen und öffnen erst zu Abend wieder ihre Türen. Auch mir sollte dieser Fakt an diesem Tag ein weiteres Mal zum Verhängnis werden. So war ich froh, auf dem Weg durch die Altstadt und zu meiner Unterkunft noch eine sehr gute Pizza, gefolgt von einem Espresso und einem Gelato abzustauben.



Ich hätte bei meinem Aufenthalt in Parma gerne die klassischen „Tortelli d´erbetta“ oder die „Anolini in brodo“ probiert, mir war aber bereits im Vorfeld klar, dass mir hier meine Ankunftszeit in Verbindung mit dem Fußballspiel am Abend einen Strich durch die Rechnung machen würde. Aber auch hier, ähnlich wie in Genua, bin ich froh, einen kulinarischen Grund zu haben, wiederzukommen. Eines ließ ich mir allerdings nicht entgehen, mich im Supermarkt, auf dem Weg zur Unterkunft, noch mit den lokalen Spezialitäten, unter anderem Parmesan und Parmaschinken, für den Abend einzudecken, welche ich dann noch vor dem Spiel in meinem Zimmer als Appetizer verspeiste.
Unterkunft
Die Wahl meiner Unterkunft wurde erneut von meinen beiden wichtigsten Kriterien bestimmt: Preis und Lage. Vor allem beim zweiten Punkt sollte mir ein absoluter Glücksgriff gelingen.
Ich entschied mich für die Sc Residence in Parma, die auf Booking.com einen durchwegs positiven Eindruck machte. Wie bereits in Genua handelte es sich um ein Privatzimmer mit Gemeinschaftsbad. Der größte Pluspunkt war allerdings die Lage. In der direkten Nachbarschaft gelegen, war man innerhalb kürzester Zeit beim Stadion. Für mich war der Auswärtsblock in rund fünf Minuten erreichbar, der Haupteingang laut Google Maps in knapp sieben Minuten.
Allein aufgrund ihrer Lage ist die Unterkunft für einen Stadionbesuch absolut empfehlenswert. Wer Parma hingegen hauptsächlich wegen der Stadt besucht, findet zentrumsnähere Alternativen, da das Stadion im Südosten der Stadt und somit etwas abseits der wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegt. Auch in Sachen Sauberkeit ließ die Unterkunft durchaus zu wünschen übrig. Das Zimmer und der Gang waren glücklicherweise durchaus sauber, das Badezimmer hatte aber vermutlich schon bessere Tage gesehen. Für eine Nacht für mich aber absolut aushaltbar. Auch preislich war sie mit 46 € inkl. City Tax absolut noch im Rahmen [über Booking.com zu buchen].
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Besonders war das digitale Check-in- und Schließsystem, bei dem das Smartphone den klassischen Schlüssel ersetzt. Das funktionierte zwar zuverlässig, ich empfand es jedoch als wenig praktisch, da man das Handy bei jedem Verlassen des Zimmers mitnehmen musste. Nach dem Spiel brachte mich das sogar noch etwas ins Schwitzen: Während der langen Wartezeit im winterlichen Auswärtssektor nach Spielende hatte ich Sorge, dass sich mein kälteempfindliches Smartphone ausschalten könnte – und ich damit buchstäblich vor verschlossener Tür gestanden wäre. Glücklicherweise blieb es bei einer theoretischen Sorge.
Matchday
Gut gestärkt mit Parmesan, Parmaschinken und Co., ging es für mich etwas später als sonst Richtung Settore Ospiti. Die doch sehr intensive Reise nagte inzwischen an mir und so schaffte ich es erst rund eine Stunde vor Anpfiff zum Auswärtsblock. Viele schwarz-weiße Tifosi waren bereits vor Ort, so musste man sich kurz anstellen und beim Ordner, bevor man abgetastet wurde, wie in Italien in Auswärtsblocks üblich, Ticket, ID und in diesem Fall auch der Juventus Card vorzeigen.
Die Juventus Card ist meist obligatorisch, um überhaupt Tickets für den Juventus Auswärtssektor kaufen zu können. Ich hatte mir diese bereits im Jahr 2024 zugelegt, um an Tickets für das damalige Coppa Italia Finale Juventus gegen Atalanta im Stadio Olimpico zu kommen. Mit dem Preis von 10 € und einer zehnjährigen Gültigkeit, auch durchaus erschwinglich.
Mit einem netten „Guten Tag“ des italienischen Ordners nach der Kontrolle meines österreichischen Führerscheins, ging für mich die Erfahrung nun so richtig los. Auch den Auswärtsblock kannte ich bereits, kaufte ich im Jahr 2022, bei meiner ersten fußballmotivierten Italienreise, ohne Kenntnis der Bedeutung des „Settore Ospiti“, das günstigste Ticket im Stadion und fand mich unfreiwilligerweise im SSC Bari-Block wieder.
Zumindest sollte mir dieser Faux-Pas im Jahre 2026 bei der Orientierung behilflich sein. Der dreigeteilte Block war bereits gut gefüllt, weshalb ich umso schneller sein musste, einen der wenigen guten, freien Plätze zu ergattern. Hierbei ist anzumerken, dass die Platzwahl im rauen Auswärtssektor Parmas keine einfache ist. Rund ein Drittel der verfügbaren Sitze scheiden aus, möchte man etwas vom Spiel sehen, da die hohen, nicht durchsichtigen Trennwände die Sicht versperren. So kämpfte ich mich im mittleren der drei Blöcke hoch und zwang mich in eine der bereits gut gefüllten oberen Reihen. Hautnah aneinandergereiht mit einer Familie, dessen Sohn durchaus Talent als Kommentator besaß und mir 90 Minuten lang direkt in mein Ohr brüllte und weiteren Tifosi, war ich hochzufrieden mit einem Platz, der mir eine barrierefreie Sicht auf das Spielfeld bescheren sollte.
Ähnlich wie bei Sampdoria, waren auch vom Parma Calcio die erfolgreichen Tage längst vorbei. Ein Konkurs führte im Jahr 2015 sogar dazu, dass dieser große, traditionsreiche Verein in der viertklassigen Serie D neu beginnen musste. Umso beeindruckender ist, dass man nach drei Aufstiegen in Folge, ab 2018 bereits wieder in der Serie A auflaufen durfte. Nach einem weiteren Abstieg im Jahr 2021 und drei Spielzeiten in der Serie B, gelang schließlich der letzte Aufstieg, als Meister der Serie B im Jahr 2024, in die oberste Spielklasse. Mittlerweile hat sich der Verein zumindest sportlich stabilisiert und ist (hoffentlich noch lange) fester Bestandteil der Serie A.
Auch wenn man sportlich an alte Zeiten (bislang) nicht anschließen konnte, ist auch die nahe Vergangenheit dieses Vereins durchaus bemerkenswert. Umso bemerkenswerter sind aber mit Sicherheit die Erfolge Parmas in den 1990er Jahren, als die Crociati zu den erfolgreichsten Mannschaften Europas zählten. Umso mehr ertappte ich mich erneut im Ennio Tardini dabei, in Gedanken zu versinken und mir vorzustellen, welche Spieler dieses Stadion bereits betreten hatten: Buffon, Cannavaro, Thuram oder Baggio – um nur einige dieser Weltstars zu nennen.
Während ich tief in meinen Gedanken versunken war, schaute ich Spielern wie Delprato als Kapitän oder Pellegrino, Stürmer der Crociati sowie David oder Kelly auf Juve-Seite beim Aufwärmen zu. Zeiten ändern sich.
Die Juventus Ultras fanden sich nach und nach im Block neben mir ein und so füllte sich auch schön langsam das gesamte Stadion. Kurz vor Spielbeginn, ausgelöst durch die Hymne, welche aber an Emotionalität und Gänsehaut für mich nicht an die Sampdoria-Hymne vom Vorabend herankam, zeigte sich im Heimblock eine eindrucksvolle gelb-blaue Wand, geformt durch Schals und Fahnen der Tifosi der Heimmannschaft.


Das Spiel bot durchaus mehr als es im Vorfeld versprach. Die Turiner kamen zwar sichtlich mit breiter Brust in die Emilia – Romagna, aufgrund der letzten, fast durchwegs positiven Ergebnisse unter Mister Luciano Spalletti, war zwar mit einem Sieg, nicht jedoch mit einem Torfestival zu rechnen.
Bremer war an diesem Abend besonders gut aufgelegt, stellte er als Innenverteidiger seine Torjägerqualitäten mit zwei Toren unter Beweis. Auch der von mir, in der obigen Zeile mit einem Seitenhieb versehene Jonathan David, konnte dem Spiel mit Tor + Assist durchaus seinen Stempel aufdrücken. Sehenswert war jedenfalls auch das Eigentor Cambiasos, direkt vor der Juventus-Kurve. Letztlich feierten die Bianconeri aber einen wichtigen sowie souveränen 4:1 Auswärtserfolg, im Rennen um die Champions-League-Ränge.
Dies freute naturgemäß auch die Ultras der Turiner, welche einen fast durchgängigen, von der Lautstärke passablen Support lieferten. Auch die Ultras der Heimmannschaft konnten mit einer guten Tifo über die 90 Minuten überzeugen, lieferten sie sich mit den Turinern auch ab und zu einen Schlagabtausch mittels Fangesängen begleitet von Pfiffen und erregter Rufe und Gestiken meiner Blocknachbarn.
Diesem schönen Ende aus Sicht eines Juventinos, folgte das traditionelle Warten im Innenraum des Auswärtsblocks. In Italien ist es üblich, die Tore des Auswärtsblocks nach Spielende noch etwa eine Stunde geschlossen zu halten.
Im winterlichen Parma gestaltete sich die Wartezeit bis Mitternacht zwar wenig angenehm, man konnte aber in der Menschenmenge wartend zumindest ein paar Fangruppen lauschen, die sich mit Fangesängen die Zeit vertrieben. Irgendwann wurden die Tore dann auch geöffnet und ich war umso froher, eine Unterkunft direkt beim Stadion gebucht zu haben.
Ticketing
Für den Ticketkauf beim Parma Calcio gilt es doch mehr zu beachten als bei Sampdoria, wo der Kauf sehr unkompliziert war. Ursprünglich plante ich, mich auf einem Sitzplatz neben dem Auswärtssektor zu platzieren, um dem erwartbaren, rund einstündigen Warten im Auswärtsblock nach Spielende zu entgehen. Leider machte mir die Ticketpolitik Parmas – oder der Lega Serie A – einen Strich durch die Rechnung, da Tickets für den neutralen beziehungsweise heimischen Bereich ausschließlich an Personen mit Wohnsitz in der Region Emilia-Romagna verkauft wurden. Für mich kam diese Option daher nicht infrage.
Folglich blieb mir nur der Kauf eines Tickets für den Auswärtssektor. Mangels unübersichtlicher bzw. nicht vorhandener Informationen zum Verkaufsstart für den Auswärtssektor, fragte ich per Mail im Backoffice der Parma Calcio nach. Ich erhielt die Antwort, dass der Verkauf rund eine Woche vor dem Spieltag beginnen sollte. So kam es schließlich auch und ich konnte mein Ticket für 42 € online über Vivaticket erwerben. Hierfür war – wie bereits erwähnt – eine Juventus Card inklusive der dazugehörigen Kartennummer erforderlich. Wie bereits in Genua stand auch in Parma die Print@Home-Option zur Verfügung, wodurch einem unkomplizierten Stadioneintritt nichts mehr im Weg stand.
Wer als Juventus-Fan einen Auswärtsblock in Italien besuchen möchte, sollte den Verkaufsstart (meist) rund eine Woche vor dem Spiel im Blick behalten und rechtzeitig eine Juventus Card besitzen.
Fazit
Für Parma kann man aus meiner Sicht mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Tage als Städtetrip einplanen, bietet die Stadt doch ausreichend Programm. Neben einem Spaziergang durch die Altstadt, kann man mit Sicherheit auch noch etwas Zeit investieren, um die sehr beliebten historischen Gebäude wie bspw. den Palazzo della Pillotta von Innen zu besichtigen. Ohne Erfahrung damit gemacht zu haben, würde ich hier aber eine frühzeitige Buchung einer Eintrittskarte (falls möglich) anstreben, da man ansonsten sicher einige Zeit in Warteschlangen verbringen muss.
Dass Parma kulinarisch einiges zu bieten hat, ist wohl ein offenes Geheimnis. So ist es zumindest Pflicht, den weltbekannten Parmesan sowie den Parmaschinken in würdiger Qualität zu verkosten. Das lohnt sich, auch trotz der teils abschreckenden Preise, jedenfalls!
Sollte man planen, die lokale Küche tiefgründiger zu erkunden, kann ich nur empfehlen, es nicht wie ich zu machen: erst am Nachmittag ankommen und dann auch am Abend verplant zu sein. Genau wie in Genua, sollte man sich auch hier frühzeitig um eine Reservierung umschauen, möchte man in einer der Institutionen der Stadt speisen. Für mich jedenfalls ein Grund wiederzukommen!
Abseits des städtischen Treibens habe ich zudem in Betracht gezogen, eine Tour zu einer Produktion von Parmigiano Reggiano oder Prosciuttio di Parma zu buchen. Hierfür gibt es einige attraktive Angebote auf GetyourGuide, die mir durchaus zugesagt haben. Leider waren die Angebote zum damaligen Zeitpunkt für Reisende mit öffentlichen Verkehrsmitteln wenig geeignet. So gab es kein Angebot mit Transfer von der Stadt zu den Produktionen, welche sich verstreut, außerhalb von Parma befinden. Da der genaue Produktionsstandort zudem erst kurz vor Tourbeginn bekannt gegeben werden sollte, war eine Planung bzw. generell auch eine Erreichbarkeit mit den Öffis schier unmöglich. Sollte man sich also für diesen fundamentalen Teil der Kultur Parmas interessieren, sollte man wohl mit dem Auto anreisen.
Nun zum eigentlichen Highlight, dem Spieltag.
So geschichtsträchtig das Ennio Tardini auch sein mag und so sehr es vor allem mir Spaß macht, an so einem historischen Ort ein derartiges Traditionsduell verfolgen zu dürfen, so gilt es leider auch festzuhalten, dass die recht weite, offene Bauweise der Stimmung eher weniger zuträglich ist und trotz stimmungsstarker Ultras auf beiden Seiten kein wirklicher Hexenkessel entstehen kann.
Auch die Konzeption des Auswärtssektor ist, vorsichtig formuliert, nicht ganz optimal. Schätzungsweise blieben aufgrund der Sichtblockaden rund ein Drittel des vermutlich ausverkauften Auswärtssektors frei, wodurch der Rest natürlich umso kuscheliger wurde.
Nichtsdestotrotz sind es auch genau diese Macken, die so ein Erlebnis für mich einzigartig machen und einen authentischen, nostalgischen Einblick in eine vergangene Zeit ermöglichen. Wie eine Zeitmaschine versetzen mich diese Stadien bereits beim Betreten zurück in eine längst vergangene Fußballära – in eine Zeit vor Red Bull und Multi-Club-Ownerships. Vielleicht sind es genau diese Stadien, die mich immer wieder nach Italien treiben.
Für den einen mag diese Romantisierung, teils rückschrittlicher Infrastruktur unverständlich erscheinen, so hoffe ich, andere, mit genau dieser Romantik abzuholen. Eines steht für mich jedenfalls fest, ein solch einmaliges Erlebnis hätte ich in einer der mittlerweile hunderten, austauschbaren Arenen dieser Welt, niemals erleben dürfen.
Mit einem chaotisch, aber einzigartigen Erlebnis im Auswärtssektor des Tardinis und mit 3 Punkten im Gepäck, ging es für mich also am nächsten Morgen weiter in das schöne Bologna, wo meine kurze, aber intensive Reise auch wieder endete, wohlwissend, dass meine nächste Reise nach Italien nicht lange auf sich warten lassen würde.
Mehr von dieser Reise
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