|

calcio e caffè I

Ein Wochenende zwischen dem Luigi Ferraris und dem Ennio Tardini.

Einleitung

Jänner/Februar 2026.

Italien – für mich das Land der perfekten Symbiose aus guter Küche, exzellentem Kaffee und einer Fußballkultur, die dem modernen, kapitalistischen Fußballmodell als Ganzes noch immer ein Stück weit hinterherhinkt. Fernab hochmoderner, seelenloser Milliardenprojekte findet man hier selbst in der obersten Spielklasse noch zahlreiche in die Jahre gekommene, aber dafür charakterstarke Stadien, die Geschichte atmen und jedes für sich eine ganz eigene Atmosphäre schaffen.

So sollte es mich an jenem Wochenende in gleich zwei dieser kultigen Fußballtempel ziehen: das Luigi Ferraris in Genua, Heimstätte des CFC Genoa und der UC Sampdoria, sowie das Ennio Tardini in Parma, Heimat des Parma Calcio.

Nach dem beinahe erfolgten Abstieg der Blucerchiati in die drittklassige Serie C und damit in die Bedeutungslosigkeit des italienischen Profifußballs in der Saison 2024/25 entstand in mir der Wunsch, diesen Traditionsverein noch einmal in einem Rahmen erleben zu dürfen, der seiner Geschichte zumindest ansatzweise gerecht wird – der Lega Serie B. Dass ausgerechnet das ligurische Derby gegen La Spezia auf dem Spielplan stand, einen weiteren Traditionsverein, der gemeinsam mit der Samp in der Saison 2022/23 den Gang in die zweite Liga antreten musste, machte die sportlich miserable, zugleich aber hoch emotionale Ausgangslage dieses Stadionbesuchs nahezu perfekt.

Meine zweite Station sollte Parma Calcio und sein Ennio Tardini sein. Hier würde ich bereits zum zweiten Mal zu Gast sein, nachdem ich die Crociati schon zum Saisonauftakt der Serie B 2022/23 gegen die Hähne aus Bari live erleben durfte. Damals trieb mich dieselbe Motivation an wie heute bei Sampdoria: einen krisengeschüttelten, ehemaligen italienischen Spitzenklub auf einer Bühne zu erleben, die seinem historischen Stellenwert nicht mal ansatzweise gerecht wird. Rückblickend scheint sich genau darin ein roter Faden meiner fußballmotivierten Reisen durch Italien zu entwickeln.

Ein weiterer Grund für die Reise nach Parma war damals Gianluigi Buffon und der Wunsch, einem der größten Juventini der Geschichte und zugleich einem meiner Kindheitsidole noch einmal bei seinem Jugendklub auf die Handschuhe zu schauen – ein Wunsch, der verletzungsbedingt unerfüllt bleiben sollte.

Die Rückkehr in die Emilia-Romagna trat ich nun nicht mehr an, um einem einzelnen Juventino auf die Handschuhe zu schauen, sondern um die Bianconeri im Settore Ospiti beim anstehenden Traditionsduell der Serie A zu unterstützen. Der Wunsch, eine Vereinslegende noch einmal in Aktion erleben zu dürfen, war dem Wunsch gewichen, meinen Herzensverein ein weiteres Mal auswärts begleiten zu können.

Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten; bei einer Buchung oder einem Kauf über einen solchen Link erhalten wir gegebenenfalls eine Provision. Mehr dazu auf unserer [Transparenz-Seite].

Route im Überblick:

TagRouteHighlights
Samstag, 31.01.2026Wien → Bergamo → Mailand → GenuaSpaziergang durch Genua, Luigi Ferraris, Sampdoria – Spezia
Sonntag, 01.02.2026Genua → ParmaWochenmarkt in Genua, Spaziergang durch Parma, Parma – Juventus
Montag, 02.02.2026Parma → Bologna → WienVormittag in Bologna, kulinarischer Abschluss

Route:

Tag 1 – Anreise & Genua

Am Samstag, dem 31. Jänner 2026, hieß es für mich früh aufstehen, denn der Flug von meiner Heimatstadt Wien nach Mailand/Bergamo sollte um 5:45 Uhr (nicht) auf mich warten.

Nach der Ankunft am lombardischen Airport, folgte der anschließende Transport mit dem Airport-Shuttle „Terravision“ zum Bahnhof Milano Centrale, wo Busse im Halbstundentakt direkt vor der Ankunftshalle des Flughafens abfahren. Tickets können online um 10 €, außerhalb der Stoßzeiten teilweise sogar um 5 €, erworben werden. Auch ein Ticketkauf direkt beim Einstieg ist möglich, birgt allerdings das Risiko eines bereits vollen Busses sowie einer kleinen Zusatzgebühr.

Am Mailänder Hauptbahnhof angekommen, entschied ich mich dazu, nach einem ersten Espresso in der durchaus pompösen Ankunftshalle, ohne Zwischenaufenthalt in Mailand direkt mit dem Zug nach Genua zu fahren, wo um 19:30 Uhr bereits das erste Spiel meiner Reise bevorstand.

Meine Wahl fiel auf den „Intercity“ nach Genova Piazza Principe, welcher ohne Umstieg, mit einer Fahrzeit von nicht ganz drei Stunden und einem Preis von rund 20 € das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für mich bedeutete. Optional wären die günstigeren Regionalzüge um etwa 15 €, allerdings mit zwei Umstiegen, sowie die Luxusvariante „Frecciarossa“, preislich bei rund 55 € und ebenfalls mit mindestens einem Umstieg, möglich gewesen.

Angesteuert wurde mit Genova Piazza Principe bewusst der Bahnhof am anderen Ende der Stadt, um nach meiner Ankunft in der Hafenstadt zur Mittagszeit in einem ausführlichen Spaziergang quer durch Genua zu meiner Unterkunft nahe des Stadions bereits einen ersten Eindruck der hügeligen Stadt zu gewinnen und mehrere sehenswerte Plätze zu besuchen, die Genua zu bieten hat. Den Nachmittag in der ligurischen Hauptstadt habe ich in einem eigenen Bericht über Genua festgehalten.

Nach dem anschließenden Check-in in meiner Unterkunft und einer kurzen Rast begann auch schon mein abendliches Hauptprogramm mit einem gemütlichen, etwa fünfzehnminütigen Spaziergang zum heutigen Schauplatz, dem Stadio Luigi Ferraris. Welche besonderen Geschichten dieser Derbyabend geschrieben hat, samt Informationen rund um den Stadionbesuch, erzähle ich im Matchday-Bericht.

Tag 2: Genua & Parma

Der nächste Morgen startete mit einer Überraschung, hatte sich direkt auf der Hauptstraße vor meinem Apartment doch über Nacht ein riesiger Wochenmarkt gebildet.

Da das zweite Spiel in Parma erst um 20:45 Uhr angesetzt war und mir eine Weiterreise von „nur“ dreieinhalb Stunden, wiederum mit dem Zug, bevorstand, hatte ich nun genügend Spielraum, mich zunächst vom sonntäglichen Marktleben treiben zu lassen.

Wie es das Schicksal so wollte, lockte mich der Duft frischer Focaccia mit Porchetta zu einem Stand, wo ich ebenjene lokale Spezialität in wohl perfekter Ausführung als Frühstück für faire 6 € genießen durfte. Der doch sehr fettige Spanferkelbraten in der knusprig-luftigen, aber doch olivenölstarken Focaccia war wohl die Antithese zu meiner eigentlichen Frühstücksroutine, fühlte sich nach der Eingewöhnung von ein bis zwei Bissen aber genau richtig an und ist mir seitdem als eines meiner besten Frühstückserlebnisse der letzten Zeit in Erinnerung geblieben.

frische Focaccia mit Porchetta vom genuesischen Wochenmarkt

Der Wochenmarkt schlängelte sich genau jener Hauptstraße entlang, welche mich am Vorabend zum Luigi Ferraris geführt hatte. So nutzte ich diese perfekte Koinzidenz, folgte wohlgenährt dem Verlauf des Marktes und stattete dem Luigi Ferraris einen weiteren Besuch ab, hatte ich doch beim gestrigen Spiel keine Gelegenheit, dieses geschichtsträchtige Stadion von außen und bei Tageslicht zu bestaunen sowie seine Umgebung zu erkunden, bevor ich mich zu Fuß, entlang des Flusses Bisagno zum Bahnhof Genova Brignole begab.

Von dort startete meine nächste Zugreise (ca. 20 €), welche nach angenehmen dreieinhalb Stunden, mit Umstieg und kurzem Aufenthalt an der Espressobar am Bahnhof in Piacenza, für mich in Parma endete. Auch hier entschied ich mich wieder für einen nachmittäglichen Spaziergang durch Parma hin zu meiner Unterkunft, welche sich nur fünf Gehminuten vom Ennio Tardini entfernt befand. Dass Parma trotz seiner überschaubaren Größe eine sehenswerte Stadt ist, durfte ich nun bereits zum zweiten Mal erleben. Besonders die zahlreichen Feinkostläden, die sich den wohl beiden größten kulinarischen Aushängeschildern und Superstars der Stadt – Parmigiano Reggiano und Prosciutto di Parma – verschrieben haben, lassen mein Herz auch beim zweiten Besuch höherschlagen und meinen Magen knurren.

Nach kurzem Sightseeing und Vibecheck im Stadtzentrum zog es mich wiederum für eine kurze Rast in meine Unterkunft, bevor ich zu meinem letzten Highlight dieser Reise aufbrach. So durfte ich zum Ende eines langen Tages im rauen Auswärtssektor des Tardini noch einen souveränen 4:1 Sieg meiner Juve bejubeln. Den kompletten Spieltag habe ich wie gewohnt in einem eigenen Matchday-Bericht zusammengefasst.

Tag 3: Bologna, Shoppingtour & Rückreise

Meine letzte Nacht auf dieser Reise bedeutete zugleich meinen Abreisetag. Für meine Rückreise nach Wien entschied ich mich aus zeit- und ressourcentechnischen Gründen nicht für einen Rückflug vom weiter entfernten Mailand/Bergamo, sondern vom G. Marconi Flughafen in Bologna. Bologna ist von Parma per Zug entspannt in rund einer Stunde für etwa 8,50 € erreichbar und bildet somit eine optimale letzte Station meiner Reise.

Mein Flug war für 12:30 Uhr terminiert und bot mir somit noch die Gelegenheit, den Vormittag in Bologna zwischen bzw. unter seinen Arkaden zu verbringen. Es blieb also genügend Zeit, um im traditionell-modernen Takeaway-Restaurant „Ragū“ die Hausreligion Tagliatelle al Ragù zu testen und mit einem Gelato im Brioche sowie einem Espresso auch meine kulinarische Reise ausklingen zu lassen.

Da mir der Flughafentransfer „Marconi Express“ mit 12,80 € vom Zentrum zum Flughafen für gerade einmal sieben Fahrminuten doch etwas zu hoch taxiert war und ich noch genügend Zeit hatte, entschied ich mich, den rund eineinhalbstündigen Spaziergang zum Airport anzutreten und das gesparte Geld lieber in einem am Weg liegenden Supermarkt zu investieren. Dort deckte ich mich u.a. mit italienisch, also dunkel gerösteten Kaffeebohnen, Bronze-Pasta und Tipo-00-Pizzamehl für zu Hause ein.

Für diesen Zweck kann ich besonders die Supermarktkette Conad empfehlen, um entsprechende Basics zu angemessenen Preisen zu kaufen. Sollen es doch etwas speziellere Dinge sein, würde ich mein Glück bei Esselunga versuchen, wo meist eine noch größere Auswahl vorhanden ist, das Preisniveau meiner Erfahrung nach aber auch etwas höher angesiedelt ist. Eine gute Lösung on a budget für die Basic-Ausstattung einer italienisch-geprägten Küche kann aus meiner Sicht auch Eurospin sein, ein Discounter, großteils bestückt mit Eigenmarken. Allerdings ist es durchaus möglich, auch dort bekannte Markenprodukte zu hochattraktiven Preisen zu finden.

Mit meinem Rucksack voller lokaler Spezialitäten und mindestens genauso vieler schöner Erinnerungen an dieses Wochenende war es nun Zeit geworden, die letzten Minuten zum Flughafen zu gehen, einzuchecken und zurück ins heimische Wien zu fliegen.

Meine Unterkünfte:

Affiliate-Links: Wenn du über diese Links buchst, erhalte ich möglicherweise eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.

Fazit:

Wieder zu Hause in Wien stellen sich die Fragen: Was ist von dieser Reise geblieben und hat sie meine Erwartungen erfüllt?

Um eine Frage direkt zu beantworten: Hat die Reise meine Erwartungen erfüllt? Nein. Sie hat meine Erwartungen übertroffen – zumindest teilweise. Aber beginnen wir am Anfang.

Die Planung und die Route an sich haben perfekt funktioniert. Nicht nur, weil es für mich nicht das erste Mal war, dass ich eine derartige Reise durch Norditalien gemacht habe, vielmehr weil die Organisation sowie die Fortbewegung im verlässlichen italienischen Zugnetz perfekt funktionieren und vor allem unkompliziert sind. Genau deshalb ist diese Route auch für diejenigen zu empfehlen, die zum ersten Mal in den Genuss kommen möchten, den Calcio live im Stadion zu erleben und vielleicht sogar mehrere Spiele und Stadionbesuche an einem Wochenende miteinander verbinden möchten.

Als Ausgangspunkt eignet sich der Flughafen Mailand/Bergamo perfekt. Er liegt nicht nur zentral in Norditalien, sondern wird zumindest von Wien aus regelmäßig sehr günstig angeflogen. Auch der bereits beschriebene Transport zum Milano Centrale ist bestens organisiert.

Rückblickend würde ich die Route genauso wieder planen. Trotz mehrerer Ortswechsel ließ sie sich dank des zuverlässlichen Zugnetzes unkompliziert bewältigen und eignet sich aus meiner Sicht auch hervorragend für diejenigen, die zum ersten Mal an einem Wochenende mehrere Fußballspiele in verschiedenen Städten erleben möchten.

Vom Tag in Genua blieb vor allem ein überraschend positiver Eindruck der Stadt. Der Ruf Genuas als industrielle Hafenstadt wird ihrem wahren Gesicht aus meiner Sicht keinesfalls gerecht – aber dazu mehr im entsprechenden Blogeintrag. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle vielmehr meinen größten, glücklicherweise aber auch einzigen folgenschweren Fehler dieser Reise, aus dem hoffentlich nicht nur ich lernen darf. Der hauptsächlich kulinarisch motivierte Besuch der Altstadt war mangels rechtzeitiger Reservierungen davon geprägt, zur Mittagszeit von einer traditionellen Trattoria zur anderen zu eilen, um doch noch einen Platz zu bekommen. Leider erfolglos. So musste ich letztendlich auf ein modernes Streetfood-Konzept zurückgreifen, um die bekannten Trofie mit Pesto alla Genovese zu probieren. Möglicherweise nicht minder gut, dennoch natürlich nicht der traditionelle Trattoria-Vibe, den ich gesucht hatte.

Der Besuch im Luigi Ferraris sollte, kurzgefasst, zu einem unvergesslichen und einem meiner schönsten Stadionbesuche überhaupt werden und Sampdoria für immer einen kleinen Platz in meinem Herzen behalten. Aus diesem Grund findet sich eine ausführliche Schilderung dieses Abends auch in einem eigenen Blogeintrag wieder.

Entsprechend hoch war die Latte gelegt, als anschließend der Stadionbesuch in Parma folgte. Dieser fiel im Gesamten zwar etwas ab, dafür hätte er wohl authentischer nicht sein können und einen klassischen italienischen Spieltag kaum besser widerspiegeln können.

Die jeweils geringe Zeit in Parma und Bologna war für mich perfekt gewählt, da ich beide Städte bereits kannte. Ganz verzichten wollte ich auf ihre Atmosphäre und ihre kulinarischen Ausprägungen dennoch nicht. So rundeten die beiden Halbtage die Reise perfekt ab und sorgten für eine für mich ideale Ausgewogenheit zwischen Sightseeing und entspanntem Erleben der drei Städte, dem Kennenlernen der lokalen Küchen und den eigentlichen Highlights in Form der Fußballspiele.

Nun zurück in meiner Heimat bleibt somit ein Wochenende in Erinnerung, das sicherlich intensiv war, mit viel Programm, einigen zurückgelegten Kilometern, vor allem aber mit vielen besonderen Erlebnissen.

Abschließend ist diese Route, wie meinem Bericht möglicherweise bereits zu entnehmen war, aus meiner Sicht uneingeschränkt weiterzuempfehlen. Vor allem für diejenigen, die neben den vielfältigen lokalen Küchen mehrerer Regionen und spannenden Städten auch etwas für die italienische Fußballkultur übrig haben. Für Menschen, die – so wie ich – eine besondere Faszination für Tradition im Fußball verspüren. Für alte, vielleicht renovierungsbedürftige Stadien, die dafür umso mehr Charakter besitzen. Für Vereine mit Geschichte, einer einzigartigen Fankultur, aber auch einer gewissen Toleranz gegenüber mitunter eher mittelmäßigem Fußball. Genau diejenigen wird die dort herrschende Atmosphäre belohnen.

Vor allem Sampdoria und das Luigi Ferraris haben mich mit ihrer Geschichte und ihrer einzigartigen Atmosphäre verzaubert. Für mich war dieser Abend weit mehr als nur ein weiterer Stadionbesuch und ist rückblickend der eigentliche Grund, warum mir dieses Wochenende so nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Aus meiner Sicht ist das Luigi Ferraris ein Must-see für jeden, der ehrlichen, emotionalen Fußball liebt.

Eines steht jedenfalls schon heute fest: Es wird mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch im Luigi Ferraris und bei Sampdoria Genua gewesen sein.

Mehr von dieser Reise

Mehr aus calcio e caffé

Ähnliche Beiträge