stands & stories #01 — EuroBasket in Katowice
Einleitung
Vor mittlerweile einigen Jahren hat mich das Basketballfieber gepackt. Seitdem verfolge ich jedes Jahr zumindest die NBA, so gut es geht natürlich, aufgrund der eher schwierigen Spieltermine. Auch europäischen Basketball mit der EuroLeague und die nationale österreichische Liga habe ich stets im Auge. So ist natürlich im letzten Sommer auch nicht an mir vorbeigegangen, dass die nächste EuroBasket, also die Basketball-Europameisterschaft, anstehen sollte.
Ich habe bereits mehrere Basketballspiele live in der Halle verfolgen dürfen. Im Frühjahr 2023 durfte ich im Zuge eines New-York-City-Trips bei einem kurzem Abstecher nach Philadelphia die Sixers gegen die Grizzlies erleben. Rund ein Jahr später wurde ich von meiner Verlobten mit einem Städtetrip nach Athen überrascht, um meinen Lieblingsverein Panathinaikos BC live im EuroLeague-Spiel gegen Fenerbahçe anzuschauen. Stimmungstechnisch sowie atmosphärisch hätten diese beiden Spiele nicht gegensätzlicher sein können. Philly klassisch amerikanisch, auf Entertainment ausgelegt, und Panathinaikos stimmgewaltig und hitzig, mit einer bis auf den letzten Platz gefüllten Ultrakurve in einer geschlossenen Halle. Wohl die beste Stimmung, die ich bislang bei einem Sportereignis erleben durfte.


Diese beiden Erlebnisse im Hinterkopf erzeugten in mir schon länger eine gewisse Unruhe. Wollte ich doch so schnell wie möglich wieder Basketball live erleben. Zwischenzeitlich war ich auch mehrmals in der österreichischen Bundesliga zu Gast, bei Wels und bei BC Vienna. Hat auch seinen eigenen Charme, qualitativ und auch stimmungstechnisch aber natürlich meilenweit vom bereits Erlebten entfernt.
So kam die EuroBasket 2025 wie gerufen für mich. Das Turnier fand in mehreren Ländern und Städten statt: in Riga, Tampere, Limassol und Katowice. Die ersten drei sind doch eher weit entfernt von Wien und hätten Flugreisen nach sich gezogen. Umso praktischer ist die Lage von Katowice, ganz im Süden von Polen und innerhalb von fünf Stunden mit dem Bus erreichbar, quasi direkt ums Eck.
Der Schauplatz war also gefunden, nun fehlten nur noch spannende Spiele, die bestmöglich am Wochenende liegen. Den Austragungsorten waren Gruppen zugewiesen und so spielte Gruppe D, mit Israel, Island, Belgien, Frankreich, Slowenien und Polen, in Katowice. Für mich als NBA-Fan lag natürlich ein besonderes Augenmerk auf NBA-Superstars, welche man sonst nur overseas sehen würde, und so war mir direkt klar, welche beiden Nationen ich unbedingt sehen möchte. Slowenien mit Luka Dončić und Frankreich mit Victor Wembanyama sollten es werden.
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Planung & Ticketing
Als Spieltage kamen für mich nur Samstag und Sonntag in Betracht. Samstag, der 30.8.2025, wäre mit Frankreich – Slowenien um 17:00 Uhr und Polen – Israel um 20:30 Uhr mit Sicherheit der attraktivste Spieltag gewesen. Mit dem direkten Match-up meiner beiden Favoriten und nachfolgend noch Polen im Heimspiel und sicherlich mit einer guten Stimmung. Auch Israel mit Deni Avdija wäre mehr als interessant gewesen.
Diese Idee hatte ich leider nicht exklusiv. Der optimale Spieltermin am Samstag, gepaart mit dem Heimspiel der Polen, führte dazu, dass die Halle bereits restlos ausverkauft war. Leider wurden die Tickets auch nur gebündelt verkauft, heißt ein Ticket für beide Spiele, und so konnte ich auch kein einzelnes Ticket für Frankreich gegen Slowenien ergattern, welches somit ebenso ausverkauft war.
Übrig blieb also nur noch der Sonntag mit Slowenien gegen Belgien um 14:00 Uhr und Israel gegen Frankreich um 17:00 Uhr. Auch diese Spiele gab es nur im Doppelpack zu kaufen, auf eBilet.pl für 149 PLN pro Ticket, also rund 35 Euro. In Anbetracht dessen, dass es sich um zwei Spiele einer Europameisterschaft handelte, aus meiner Sicht mehr als fair.
Ob wir auch das zweite Spiel an diesem Tag anschauen würden, stand noch in den Sternen. Am Montag wartete die Arbeit auf mich und so war ich gezwungen, den letzten Flixbus an diesem Sonntag um 18:40 Uhr zu buchen, mit welchem wir somit um 23:45 Uhr wieder in Wien ankommen würden. Bei der Buchung hatte ich noch im Kopf, mindestens die ersten beiden Viertel zu verfolgen und mich dann auf den Weg zur Busstation machen zu wollen.
Neben dem Ticket und der Abreise habe ich in einem Zug natürlich auch die Anreise organisiert. Aufgrund der relativ spontanen Buchung der Spieltickets im Juni waren die Unterkünfte in Katowice bereits flächendeckend vergriffen oder entsprechend teuer. Folgerichtig entschieden wir uns dazu, dem auszuweichen. Am selben Tag in der Früh anzureisen und am Abend wieder abzureisen, war uns dann doch etwas zu stressig, und so fanden wir die Lösung, am Tag zuvor nach Ostrava zu fahren, was direkt auf der Strecke nach Katowice liegt, dort Abend und Nacht zu verbringen und am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Katowice zu fahren.
Vortag und Unterkunft
Nach einer entspannten Anreise am Vortag nach Ostrava nutzten wir das gemäßigte Wetter, um durch die Altstadt zu spazieren und traditionell tschechisch essen zu gehen. Hungrig von der Busfahrt fanden wir uns relativ rasch in Bahnhofsnähe im Loft Restaurant ein, ein etwas moderneres Restaurant, welches aber auch traditionelle Gerichte anbot. Meiner kurzen Recherche zufolge ist das Restaurant nun leider dauerhaft geschlossen. Wir entschieden uns damals für Rindsrouladen und das geschmorte Rind auf Kartoffelpüree. Vor allem Letzteres war durchaus lecker, wobei bei beidem etwas der letzte Punch fehlte.


Den Abend verbrachten wir im doch eher ruhigen Ostrava, welches für uns an diesem Tag nicht allzu viel zu bieten hatte, fanden aber relativ rasch auch den Weg ins Hotel.
Wir hatten uns für das zentral gelegene Hotel Mercure Ostrava Center entschieden. Wir haben damals rund 86 € inklusive Frühstück bezahlt. Der Aufenthalt war insgesamt absolut zu unserer Zufriedenheit, auch das Frühstücksbuffet hatte alles, was man sich in diesem Preisniveau wünschen darf. Ich kann dieses Hotel auch aufgrund der Lage uneingeschränkt für einen Aufenthalt in Ostrava weiterempfehlen. Sollte es uns noch einmal nach Ostrava verschlagen oder wir dort zwischenhalten, würde ich jedenfalls wieder dieses Hotel wählen [über Booking.com zu buchen].
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Spieltag
Gut genächtigt und das Frühstücksbuffet zweckgemäß auf Herz und Nieren getestet, ging es relativ bald in der Früh weiter nach Katowice, wiederum mit dem Flixbus. Mit 1 h 15 min stand uns nun eine entspannte, kurze Busfahrt bevor. Wir waren bald dran, wollten wir unbedingt auch noch den Vormittag nutzen, um Katowice zu erkunden und uns der polnischen Küche zu widmen. Der Schwerpunkt lag vor allem bei Letzterem.
Erster Programmpunkt und Pflichttermin, wenn man in Polen verweilt, war und ist Przystanek Pierogarnia, wo man günstige und sehr, sehr leckere Pierogi in Fast-Food-artiger Manier bekommt. Ich habe mich einmal für die Kartoffel- und einmal für die Pilzfüllung entschieden. Beide hervorragend und Grund genug, wieder nach Polen zu reisen.
Den Magen etwas beruhigt, ging es für uns zunächst weiter durch die Innenstadt, die einige spannende Einkaufsmöglichkeiten bot. Wir schauten von Laden zu Laden und schmökerten etwas in Vintage-Läden. Bereits in der Innenstadt liefen uns einige Basketballfans in den jeweiligen Nationaltrikots über den Weg und man hatte das Gefühl, in einem kleinen EM-Dorf zu sein. Als es etwas zu nieseln begann, fanden wir Zuflucht in einem kleinen Café, wo eine Kaffeepause genau richtig kam.
Zu Mittag waren wir wieder einmal auf der Suche nach einem traditionellen Restaurant und wurden nach kurzer Recherche auch fündig. Es sollte uns ins Chata z Zalipia ziehen. Die rustikale Optik versprach bereits einiges, das Essen bot aber noch viel mehr. Klassische polnische Hausmannskost auf sehr hohem Level. Als Vorspeise wollte ich unbedingt einmal Borscht probieren und wurde nicht enttäuscht. Der Star war allerdings der Hauptgang. Zrazy wołowe mit Modra kapusta und Kluski śląskie. Eine weitere Rindsroulade, aber schon fast eine Beleidigung, würde man diese mit jener vom Vortag vergleichen. Es war eventuell dieselbe Sportart, in derselben Liga spielten diese aber jedenfalls nicht. Mit den typischen, kleinen Kartoffelknödeln und dem Rotkraut war dieser Teller nicht nur für das Auge ein Genuss. Ich denke bis heute noch öfter an dieses Restaurant und werde mit Sicherheit nur deshalb wieder nach Katowice kommen.

Gut genährt und euphorisiert von diesem Restaurantbesuch drängte nun allmählich die Zeit und wir spazierten gut gelaunt in Richtung des eigentlichen Schauplatzes des heutigen Tages. In der Spodek Arena würde um 14:00 Uhr das Spiel Slowenien gegen Belgien stattfinden.
Schon Wochen hatte mich die Nachricht erreicht, dass beide Superstars der Franzosen, auf die ich mich besonders gefreut hatte, Wembanyama und Gobert, verletzungsbedingt nicht an der EM teilnehmen konnten. Diese schlechte Nachricht war nicht nur für Frankreichs Nationalteam richtungsweisend. Wir entschieden uns deshalb, das zweite Spiel ganz zu skippen, einen früheren Flixbus zu nehmen, um zu einer halbwegs christlichen Zeit, also ca. 22:00 Uhr, in Wien anzukommen. Das erste Spiel konnten wir aber natürlich entspannt bis zum Ende verfolgen, somit war diese Lösung auch in Ordnung für uns. Aber natürlich schade, Wemby live zu sehen wäre mein absolutes Highlight dieses Wochenendes gewesen. Wemby, das Alien, in der Spodek Arena, selbst einem riesigen UFO nachempfunden – eigentlich wäre das die perfekte Metapher gewesen.
Nichtsdestotrotz war die Vorfreude auf das Spiel und Luka Dončić bereits riesig. Diese potenzierte sich noch einmal, als ich am Hinweg die Spodek Arena erblicken konnte. Im UFO-Stil ist es mit Sicherheit das markanteste Gebäude in Katowice und machte von außen einen hochmodernen Eindruck. Auch von innen sollte dieser Eindruck nicht getrübt werden und so bot einem diese Arena doch ein gewisses NBA-Feeling, natürlich in einer etwas kleineren Dimension.

Wir waren ca. 45 Minuten vor Tip-off bei der Arena, was uns aber nicht dabei helfen sollte, die ersten Minuten nicht zu verpassen. Beim Security-Check wurde uns mitgeteilt, dass man den Rucksack nicht in die Arena mitnehmen durfte. Grundsätzlich kein Problem. Als wir allerdings dem Fingerzeig folgten und realisierten, dass die Rucksackabgabe in einem kleinen Häuschen gegenüber von der Arena abgewickelt wurde, vor dem sich bereits eine ewig lange Schlange gebildet hatte, wussten wir bereits, dass es zeitlich knapp werden würde.
Denkbar schlecht organisiert, waren zwei Damen scheinbar für das Gepäck der gesamten Zuschauerschaft zuständig. Und viele Leute reisten mit Gepäck an. Wir versuchten, diese Situation aber gelassen und mit Humor zu nehmen und bewegten uns in der Schlange sehr, sehr langsam vorwärts. Kurz vor Spielbeginn und nur noch ca. zehn Personen vor uns wurde von einer Dame ausgerufen, dass sie keine Tickets mehr hätten, und sie verwies auf einen anderen Container am anderen Ende der Arena. Das sollte unser Glück bedeuten. Fast die gesamte Warteschlange wollte ihre Chance nutzen und lieferte sich ein Sprintduell um den vordersten Platz beim anderen Container. Wir blieben stehen und machten uns keinen Stress, hörten nach nicht mal einer Minute die Dame in unserem Container sich korrigieren, dass sie doch noch Tickets habe, und gingen ganz nach vorne zum Schalter, während man im Augenwinkel noch den Wettkampf zum anderen Container beobachten konnte. So hatten wir hier doch noch Glück, konnten nach doch fast 50 Minuten Wartezeit unseren Rucksack abgeben und hatten im Endeffekt nicht mal fünf Minuten vom Spiel verpasst. Manchmal wird es eben doch belohnt, selbst etwas stressigere Situationen gelassen zu nehmen und sie zu akzeptieren.
Auf unserem Platz angekommen, waren wir zunächst von der Arena geflasht. Hochmodern und eines Austragungsortes für die EuroBasket mehr als würdig. Man bekam direkt Lust auf das Spiel.

Die Stimmung war stark vom Spielverlauf abhängig. Dadurch, dass das Spiel wie erwartet sehr einseitig war und hauptsächlich slowenische Fans vor Ort waren, war die Stimmung aber durchwegs gut. Slowenien konnte das Spiel letztlich klar mit 86 zu 69 gewinnen und gewann dabei jedes einzelne Viertel. Auch der Man to Watch Luka Dončić war gut gelaunt und legte ein Triple-Double mit 26 Punkten, 11 Assists und 10 Rebounds auf. Der Klassenunterschied war bei nahezu jeder Aktion spürbar und es machte einfach Spaß, ihm beim Zocken zuzusehen.

Neben dem Spiel und der Performance von Dončić wartete ein weiteres Highlight auf mich. Im Innentrakt nach einem Snack suchend, stieß ich auf einen unscheinbaren Stand mit der Aufschrift „Sery góralskie“. Kurz zum Übersetzer gegriffen, fand ich heraus, dass es sich dabei um einen traditionellen polnischen Bergkäse aus der Tatra-Region handelte. Dieser wurde gebraten und mit Preiselbeermarmelade serviert – ein Gedicht. Meiner Erfahrung nach unüblich bei derartigen Sportveranstaltungen, lokale Spezialitäten in Topqualität zu erhalten. Hier rechne ich eher mit Convenience-Junkfood. Umso beeindruckter war ich von diesem gebratenen Käse, der mit Sicherheit das Beste war, was ich bislang im Rahmen eines Sportereignisses verspeisen durfte. Bis heute denke ich noch ab und an daran – ein perfekter Abschluss dieses „Stadionbesuchs“.


Nach dem Spiel spazierten wir entspannt Richtung Busstation und verirrten uns am Weg noch in eine vegane Bäckerei, wo wir den Tag und das Wochenende mit Kaffee und Torte ausklingen ließen.
Fazit
Spät zu Hause in Wien angekommen, liegt nun ein kurzes, aber intensives Wochenende in Tschechien und Polen hinter uns. Motivation hinter diesem Kurztrip war die EuroBasket und Basketball auf europäischem Top-Niveau live, im Rahmen einer Europameisterschaft, erleben zu dürfen. Das Wochenende hat genau das geboten, was es versprochen hat. Ein Spiel mit wenig Spannung, wo man aber einem Spieler auf die Finger schauen konnte, den man ansonsten nur in den USA spielen sehen kann. Eine moderne Basketballhalle, die ein absoluter Hingucker ist, von innen und von außen, und die mich jedenfalls positiv überrascht hat. Und atmosphärisch jedenfalls genug, um wieder auf den Geschmack gekommen zu sein, wieder einmal in die USA zu fliegen, um ein NBA-Spiel live zu erleben.
Trotz des eigentlichen Motivs des EuroBasket-Spiels war der eigentliche Star dieses Trips etwas anderes. Die Kulinarik Polens. Von Pierogi angefangen, über „Zrazy wołowe“ mit „Modra kapusta“ und „Kluski śląskie“ bis hin zum „Sery góralskie“ als Stadionsnack – alles war herausragend und lässt mich seitdem in höchsten Tönen von diesen Gerichten und der polnischen Küche sprechen. Für mich auch ein absolutes Muss, in den kommenden Jahren wieder nach Polen zurückzukommen, vielleicht im Sinne eines Roadtrips vom Süden in die Bergregionen bis nach Warschau, oder so ähnlich. Den Norden Polens bis nach Warschau hatte ich schließlich vor einigen Jahren schon einmal im Zuge eines Roadtrips von Berlin nach Tallinn erkundet.
Dieser Tag in Polen war für mich jedenfalls ausreichend, um zu wissen, dass ich hoffentlich schon bald wiederkommen werde.
Kostenübersicht
| Position | Kosten |
| Flixbus Wien → Ostrava | 24 € |
| Hotel Ostrava inkl. Frühstück | 86 € |
| Flixbus Ostrava → Katowice | 7,50 € |
| EuroBasket-Ticket | 149 PLN / ca. 35 € |
| Flixbus Katowice → Wien | 27 € |
| Gesamt | ca. 180 € p.P. |
