eastbound I – Chinesische Mauer

Ein Tag auf der Chinesischen Mauer: Mutianyu ab Peking.

Einleitung

Die Chinesische Mauer war für uns einer jener Orte, die auf unserer China-Reise von Anfang an feststanden. Die Frage war daher weniger, ob wir sie besuchen, sondern vielmehr, für welchen Abschnitt wir uns entscheiden würden. Neben dem bekannten Badaling standen unter anderem Mutianyu, Jinshanling und Simatai zur Auswahl.

Wir entschieden uns letztlich für Mutianyu: landschaftlich reizvoll, gut erhalten und – zumindest laut zahlreichen Reiseberichten – etwas ruhiger und weniger besucht als Badaling. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollte zwar vergleichsweise zeitintensiver und komplizierter sein als jene nach Badaling, der Reiz eines Besuchs der Chinesischen Mauer ohne große Menschenmassen war für uns aber Argument genug. Ganz so ruhig, wie wir uns das vorgestellt hatten, wurde es dann allerdings nicht.

Ein langer Weg zur Mauer

Von unserer Unterkunft aus brauchten wir zunächst ungefähr 50 Minuten bis zur U-Bahn-Station Dongzhimen.

Direkt an der U-Bahn-Station reihen sich mehrere Einkehrmöglichkeiten aneinander, denen wir natürlich nicht widerstehen konnten. So nahmen wir unser Frühstück in einer Umgebung ein, die authentischer nicht hätte sein können.

Von Dongzhimen startete die 916-Expressbuslinie, die uns nach Huairou bringen sollte. Die Fahrt mit dem Expressbus dauerte rund eineinhalb Stunden. Unser Ziel war die Haltestelle Huairou North Street, von der aus wir den letzten Abschnitt mit einem DiDi zurücklegen wollten.

Der letzte Abschnitt war nämlich jener, der laut Recherche etwas unzuverlässiger funktionieren soll, weil der Bus nicht allzu häufig fährt. So war diese Variante der Anreise für uns der Sweetspot, um etwas Geld zu sparen. Wir wählten also nicht DiDi für die gesamte Strecke, griffen aber ausschließlich auf gut planbare öffentliche Verkehrsmittel zurück.

So kostete uns die Anreise pro Strecke für zwei Personen insgesamt rund 64 bis 72 Yuan – abhängig von den genauen Kosten für U-Bahn und Expressbus – sowie noch einmal ungefähr 30 Yuan für den Transfer bis zur Mauer.

In Huairou angekommen, machte es zunächst den Anschein, als würde man dem Bus doch trauen können. Wir überlegten daher, ob wir den letzten Teil vielleicht ebenfalls mit dem Bus bewältigen sollten. Noch bevor wir uns näher damit beschäftigen konnten, sprach uns allerdings ein Fahrer an. Nach kurzer Verhandlung einigten wir uns auf 30 Yuan und ließen uns von ihm zum Tourist Center bringen. Die Fahrt dauerte noch einmal ungefähr 30 Minuten.

Der Fahrer war äußerst freundlich und wir kamen während der Fahrt ins Gespräch. Wir verglichen unter anderem ausgiebig das Preisniveau in China mit jenem in Österreich. Über was man eben so redet.

Insgesamt waren wir damit bereits rund zweieinhalb Stunden unterwegs, bevor wir überhaupt beim Eingang zur eigentlichen Sehenswürdigkeit ankamen. Das war für uns natürlich keine Überraschung – wir hatten uns schließlich bewusst für diesen Abschnitt entschieden.

Das Tourist Center und ein kleines Ticketproblem

Beim Tourist Center angekommen, waren wir zunächst erleichtert, dass die Anreise derart reibungslos funktioniert hatte. Von dort führte unser Weg durch eine lange Straße mit Verkaufsständen, Restaurants und Souvenirläden. Die Restaurantlandschaft war dabei auffallend westlich geprägt. Wer vor dem Besuch der chinesischen Mauer noch Lust auf Burger King oder Pizza Hut gehabt hätte, wäre hier problemlos fündig geworden. Chinesische Restaurants waren hingegen eher rar gesät.

Bevor es mit dem Shuttlebus hinaufging – zu jenem Ort, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt und man sich entscheiden muss, ob man bequem mit Seilbahn oder Sessellift oder doch zu Fuß zur Mauer hinauf möchte –, mussten wir zunächst durch die Ticketkontrolle. Und genau dort stellte sich heraus, dass ich bei der Buchung über Trip.com einen kleinen Fehler gemacht hatte: Ich hatte versehentlich ein Ticket ohne Shuttlebus gekauft. Ich war davon ausgegangen, dass der Transfer automatisch inkludiert wäre. War er aber nicht.

Die Mitarbeiter wiesen uns zunächst zurück. Ungünstigerweise war nicht nur der Ticketschalter für Shuttlebus-Tickets geschlossen, sondern auch die entsprechenden Tickets auf Trip.com waren ausverkauft. So waren wir auf die Hilfe eines chinesischen Touristen angewiesen, der die Situation mit den Angestellten klärte und uns dabei unterstützte, noch ein zusätzliches Shuttle-Ticket zu kaufen. Nach einigem Hin und Her war das Problem schließlich gelöst. Es konnte also endlich losgehen.

Für alle, die Mutianyu ebenfalls besuchen möchten, daher ein kleiner Hinweis: Bei der Ticketbuchung sollte man genau darauf achten, ob der Shuttlebus bereits enthalten ist. Bei Trip.com kann man zwischen einem Ticket nur für die Mauer und einer Variante inklusive Shuttlebus wählen. Der Shuttlebus ist dabei für den Besuch aus meiner Sicht fast obligatorisch. Man könnte zwar auch den Weg hinaufwandern, als besonders lohnenswert würde ich diesen allerdings nicht beschreiben. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um eine asphaltierte Straße mit relativ hohem Shuttlebusaufkommen ohne besonderer Aussicht.

Zu Fuß auf die Mauer

Für den eigentlichen Aufstieg gab es also mehrere Möglichkeiten. Man kann die Seilbahn nehmen, mit dem Sessellift hinauffahren und anschließend mit der Sommerrodelbahn wieder hinunterfahren oder den Weg ganz klassisch zu Fuß bewältigen – was ich jedenfalls empfehlen würde.

Nicht nur aufgrund des Preisunterschieds – Sessellift und Rodelbahn kosten 140 Yuan, die Seilbahn 400 Yuan –, sondern auch, weil man den Wanderweg fast für sich allein hatte. So konnten wir die Ruhe im Wald genießen, während die anderen Varianten deutlich belebter und hektischer wirkten.

Unser Fahrer hatte uns im Vorfeld jedenfalls eindringlich vom Fußmarsch nach oben abgeraten. Dieser würde mit rund eineinhalb Stunden viel zu lange dauern, und oben hätten wir dann nicht mehr genug Zeit für die Mauer. Wir entschieden uns dennoch dafür. Mit knapp 20 Minuten Gehzeit bei zügigem, aber doch entspanntem Tempo konnten wir seine Schätzung dann auch deutlich unterbieten.

Oben angekommen, war es direkt deutlich voller, als wir erwartet hatten. Mutianyu wird häufig als ruhigere Alternative zu Badaling beschrieben. Zumindest an diesem Tag konnten wir davon nicht besonders viel feststellen. Es gab keinen Abschnitt, auf dem wir wirklich alleine gewesen wären. Das war zwar kein großes Problem, relativierte aber doch die Erwartung, hier einen besonders stillen Teil der Mauer vorzufinden.

Wir gingen zunächst in Richtung Wachturm 8 und anschließend weiter bis zum Ende des für Besucher zugänglichen Abschnitts.

Wachturm 8 chinesische Mauer Mutianyu

Auch hier hatte uns der Fahrer mitgeteilt, dass man für den Weg bis zum Ende noch einmal ungefähr zwei Stunden einplanen sollte. Überraschenderweise waren wir auch hier etwas schneller unterwegs. Insgesamt benötigten wir für den Weg vom unteren Bereich, also vom Shuttlebus, bis nach oben und weiter bis zum Ende der Mauer ungefähr eine Stunde.

Danach gingen wir wieder ein Stück zurück und bewegten uns in die andere Richtung, bis wir schließlich bei der Seilbahn ankamen.

Eine Mauer über den Bergen

Unabhängig von den Menschenmassen, die sich in den meisten Fällen gut verteilten, war die Landschaft beeindruckend. Die Mauer zieht sich über die Bergkämme, verschwindet immer wieder hinter den nächsten Erhebungen und taucht kurz darauf erneut auf. Gerade aus etwas größerer Entfernung lässt sich erkennen, welche Dimension dieses Bauwerk tatsächlich hat.

Chinesische Mauer Mutianyu

Was den Besuch allerdings etwas eigenartig machte, war die musikalische Untermalung. Alle paar Meter wurde über Lautsprecher klassische, beinahe mystisch wirkende chinesische Musik abgespielt. An sich hätte das gut zur Atmosphäre passen können. In Kombination mit den vielen Besuchern, den Verkaufsständen und dem allgemeinen Trubel wirkte es aber eher wie eine bewusst inszenierte Kulisse. Es war ja im Grunde auch nichts anderes.

Erst gegen Ende unseres Besuchs konnten wir für einen Moment jene mystische Atmosphäre spüren, die man sich von einem Ort wie der Chinesischen Mauer vielleicht erwartet. Für den Großteil der Zeit war die Mauer vor allem eines: ein stark frequentierter touristischer Ort, der für sich aber kaum hätte schöner und beeindruckender sein können.

Zurück nach Peking

Für den Rückweg nahmen wir für den ersten Streckenabschnitt ein DiDi. Die Fahrt zur Expressbus-Station kostete ungefähr 40 Yuan. Von dort fuhr der Bus wieder etwa alle zehn Minuten zurück in Richtung Peking. Die Rückfahrt selbst verlief ebenfalls problemlos. In Peking gerieten wir allerdings in den Berufsverkehr, wodurch sich die ohnehin lange Abreise noch einmal um ungefähr 45 Minuten verlängerte. Mutianyu ist von der Innenstadt aus eben kein kurzer Abstecher – auch dann nicht, wenn die eigentliche Anreise mit U-Bahn, Bus und DiDi recht unkompliziert funktioniert.

Die Kosten

Die Anreise nach Mutianyu war zwar vergleichsweise günstig, summierte sich bei zwei Personen aber dennoch. Für die Fahrt mit der U-Bahn, dem 916-Expressbus, den Transfer von/nach Mutianyu fielen pro Richtung folgende Kosten an:

  • U-Bahn vom Hotel bis Dongzhimen: ca. 10–12 Yuan
  • Expressbus von Dongzhimen nach Huairou: ca. 24–30 Yuan
  • Weiterfahrt von Huairou zum Tourist Center Mutianyu: 30-40 Yuan
  • Gesamtkosten:
    • Anreise ohne Eintritt: ca. 64–72 Yuan
    • Abreise: 74–82 Yuan
    • Gesamt: 138–154 Yuan (ca. 17-20 Euro)

Die Fahrt pro Richtung dauerte bei uns insgesamt ungefähr 2 Stunden und 50 Minuten:

  • rund 50 Minuten mit der U-Bahn bis Dongzhimen
  • etwa eineinhalb Stunden mit dem Expressbus nach Huairou
  • anschließend ungefähr 30 Minuten bis zum Tourist Center Mutianyu.

Nicht enthalten in den Kosten sind der Eintritt zur Chinesischen Mauer – in unserem Fall rund 11,50 Euro für zwei Personen – und der Shuttlebus, für den wir zusätzlich 30 Yuan für zwei Personen bezahlten.

Für uns war die Anreise damit deutlich günstiger als ein privater Fahrer für den gesamten Tag oder ein DiDi für die gesamte Strecke aus Peking, das je nach Anbieter und Verhandlung ungefähr 25 bis 40 Euro pro Richtung kosten kann. Dafür war die öffentliche Variante aber auch wesentlich zeitaufwendiger. Nur mit DiDi wären es pro Richtung und ohne Verkehr ca. 1,5-2h.

Auch vor Ort könnte man durch die Wahl eines bequemeren Aufstiegs noch deutlich mehr Geld für den Besuch der Mauer ausgeben: Die Seilbahn kostet 400 Yuan, der Sessellift mit anschließender Sommerrodelbahn 140 Yuan.

Insgesamt haben wir also versucht, die Kosten so gering wie möglich zu halten, uns dabei aber noch etwas an Komfort zu gönnen.

Unser Fazit

Trotz des langen Anreisewegs hat sich der Besuch der Chinesischen Mauer für uns sicherlich gelohnt. Die Landschaft, der Verlauf der Mauer über die Berge und die schiere Größe des Bauwerks machen Mutianyu zweifellos sehenswert.

Als besonders ruhigen Geheimtipp, wie Mutianyu online oft bezeichnet wird, würden wir den Abschnitt allerdings nicht beschreiben. Dafür waren an diesem Tag schlicht zu viele Menschen unterwegs. Vielleicht hatten wir auch einfach einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Bei einer nächsten China-Reise würden wir deshalb gerne Badaling besuchen, um die beiden bekanntesten Abschnitte miteinander vergleichen zu können.

Mutianyu bleibt damit ein lohnender, aber nicht ganz so stiller Ausflug, wie wir ihn uns ursprünglich vorgestellt hatten. Endlich einmal selbst auf der Chinesischen Mauer gestanden zu sein, wird aber mit Sicherheit unvergessen bleiben.

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